Lesedauer 5 Minuten

Fürs Bezahlen im Internet stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Als Betreiberin oder Betreiber eines Online-Shops solltest du dir frühzeitig darüber Gedanken machen, welche du anbietest und auf welche du verzichten kannst. Dafür musst du dich aber zunächst fragen, was deine Kunden – und jene, die es hoffentlich bald werden – eigentlich wollen.

J.P. Morgan ermittelte im E-Commerce Payments Trends Report 2020, wie sehr einzelne Bezahlmethoden im Jahr 2019 in Österreich genutzt wurden:

  • Kreditkarten: 32%
  • Rechnung: 26%
  • Digital Wallet: 20%
  • Banküberweisung: 14%
  • Barzahlung: 6%
  • Sonstige: 3%

(Quelle: jpmorgan.com/merchant-services/insights/reports/austria-2020)

Bis 2023 wird erwartet, dass Digital Wallets und Kreditkartenzahlung ihren Anteil geringfügig steigern, während die Zahlung auf Rechnung etwas an Bedeutung verlieren wird.

Kreditkarten

Laut Österreichischer Nationalbank waren im Jahr 2020 VISA und MasterCard die am häufigsten genutzten Kreditkarten. Diners und American Express werden ebenfalls gerne genutzt, weitere Anbieter spielen in Österreich dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Für Händler sind Kreditkartentransaktionen ziemlich sicher. Da geprüft wird, ob die Karte über ausreichend Deckung verfügt, bist du als Onlinehändler gegen Zahlungsausfälle abgesichert. Zwar können Kunden theoretisch einen bezahlten Betrag später zurückbuchen lassen, praktisch ist dies jedoch nicht ganz so einfach – und grundlos geht es schon gar nicht. Aber selbst wenn es zu einer ungerechtfertigten Rückbuchung kommt, hast du als Händler immer noch die Möglichkeit, dagegen Einspruch einzulegen.

Als Händler fallen für dich Kosten an, wenn du Kreditkartenzahlungen anbietest. Die einzelnen Anbieter stellen dabei verschiedenste Modelle zur Verfügung: mit oder ohne fixer Monatsgebühr, dafür mit unterschiedlichen Transaktionskosten, usw. 

Bestimmte Ausgaben, die im stationären Handel anfallen können (etwa die Kosten für ein Kartenterminal), spielen im E-Commerce natürlich keine Rolle. 

Unterm Strich kannst du von ca. 1 bis 4 Prozent des Betrags ausgehen. Ein Vergleich der verschiedenen Modelle lohnt sich auf jeden Fall.

Beachte auch, dass die Entscheidung, welche Kreditkarten du unterstützt, sich nach deinem Kundenstamm richten muss. Kaufen nur Leute aus Österreich oder Deutschland bei dir, bist du mit VISA und MasterCard in den meisten Fällen ausreichend aufgestellt. Willst du aber auch Menschen in den USA erreichen, wirst du es dir nicht leisten können, auf American Express oder Diners Card zu verzichten.

Rechnung

Der Methusalem unter den Bezahlungs-Methoden erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Und warum auch nicht, ist die Bestellung auf Rechnung doch für die Konsumentinnen und Konsumenten die Variante mit dem geringsten Risiko.

Zugegeben, dir als Händler mag es ein mulmiges Gefühl bescheren, erst die Ware zu verschicken und dann zu hoffen, dass du dafür auch Geld siehst. Denn immerhin liegt das finanzielle Risiko bei dieser Variante voll bei dir. Schließe sie aber deswegen nicht sofort aus.

Die Realität sieht so aus, dass die Zahlungsmoral in Österreich relativ hoch ist. Zwar vermeldet der KSV1870, dass etwa jede vierte Rechnung verspätet bezahlt wird, allerdings werden bei diesem Wert Private, Firmen und die öffentliche Hand kombiniert betrachtet. 

Betrachtet man nur Privatkunden alleine, so stellt sich heraus, dass von ihnen über 90 Prozent ihre Rechnungen fristgerecht bezahlen.

Quelle: ksv.at/pressemeldungen/zahlungsmoral-vierte-zahlt-rechnungen-spaet

Kurz gesagt: Wenn du vorhast, an Private zu verkaufen, arbeitest du mit Kunden, die eine hohe Zahlungsmoral aufweisen. Hundertprozentige Sicherheit gibt es zwar nie, aber in den allermeisten Fällen brauchst du dir keine Sorgen machen, wenn du etwas auf Rechnung verkaufst.

Die Beliebtheit dieser Variante kann auch dafür sorgen, dass potentielle zu tatsächlichen Kunden werden.

Digital Wallet

Digital Wallets oder Cyberwallets sind im Kontext dieses Beitrags nicht mit elektronischen Geldbörsen wie z. B. der Apple Wallet zu verwechseln, die an ein physisches Medium wie etwas das iPhone gebunden sind. Hier geht es um Zahlungsdienstleister wie PayPal. Obwohl die eBay-Tochter immer noch am weitesten verbreitet ist, existieren auch einige Alternativen dazu, beispielsweise Skrill oder das zu MasterCard gehörende System MasterPass.

Aus Kundensicht bieten diese Systeme einen schnellen und unkomplizierten Ablauf: Beim Kauf wird entweder auf ein zuvor »hochgeladenes« Guthaben zurückgegriffen oder es wird eine hinterlegte Kreditkarte belastet. Bank- oder Kreditkarteninformationen werden nicht an die Händler übermittelt. Ein Nachteil dieser Systeme ist jedoch, dass die Konten relativ häufig Ziel von Hackerangriffen werden, bzw. dass es zu Phishing-Attacken kommen kann.

Zwar bietet PayPal einen Käuferschutz an, aber deswegen solltest du dir als Händler keine grauen Haare wachsen lassen. Ähnlich wie bei den Kreditkarten ist es auch hier für unehrliche Käufer nicht so ohne weiteres möglich, eine Rückbuchung vorzunehmen.

Was die Kosten angeht, so setzen sich diese für Verkäufer meist aus einer Fixgebühr pro Transaktion und einem Prozentsatz des Wertes zusammen. Bei PayPal beläuft sich dies für gewerbliche Verkäufer innerhalb von Österreich auf EUR 0,35 plus 3,4% des Transaktionswertes (Stand Juni 2021).

Beachte, dass für internationale Geschäfte oder auch für Mikrotransaktionen andere Gebühren anfallen können.

Wie bei allen Bezahlsystemen musst du die Entscheidung, welches davon du anbietest, auch von deinem Kundenstamm abhängig machen. An PayPal wirst du wahrscheinlich kaum vorbeikommen. Zusätzlich gibt es aber auch länderspezifische Unterschiede. So könnten sich Kunden aus der Schweiz beispielsweise sehr darüber freuen, wenn du eine Bezahlung per Twint ermöglichst.

Überweisungssysteme

Die klassische Überweisung ist im Grunde genommen nur eine Variante der Zahlung auf Rechnung, bei der du zusätzlich z. B. einen Zahlschein mitschickst. Daher soll es an dieser Stelle um Systeme gehen, bei denen Kunden selbständig und sofort Geld auf den Weg schicken können.

eps-Überweisung

In Österreich haben sich die führenden Banken zusammengetan und einen Standard für Zahlungen im Internet geschaffen: die eps-Überweisung (Electronic Payment Standard). Wenn du diese Variante in einem Online-Shop anbietest, müssen die Kunden zunächst den entsprechenden Link anklicken. Dies führt sie zu einer zentralen Auswahlliste, wo sie die richtige Bank auswählen müssen. Nun braucht es nur noch eine TAN oder eine elektronische Signatur, und das Geld ist auf dem Weg. 

Dank einer gemeinsamen Schnittstelle mit dem deutschen giropay-System ist auch der Weg für Kunden aus Deutschland frei, die auf diesem Weg bezahlen möchten.

Vorteile hat dies sowohl für Verbraucher als auch für Händler. Während Erstere keine sensiblen Daten weitergeben müssen, kannst du dir als Verkäufer gewiss sein, dass dich die Bezahlung auch sicher erreichen wird. 

Sofortüberweisung

Eine andere Variante dieser Methode ist die Sofortüberweisung. Der Begriff »sofort« ist dabei auf die Sofort GmbH zurückzuführen, die ein Teil der schwedischen Klarna-Gruppe ist. Dieses Unternehmen fungiert als Mittler zwischen dir, den Kunden und den Banken.

Anders als bei eps-Überweisungen, bei denen Kunden eine Überweisung direkt durchführen, wird dabei die Sofort GmbH damit beauftragt. Als Händler bekommst du zunächst nur eine Zahlungsbestätigung, die eigentliche Zahlung erfolgt zeitlich verzögert. Da jedoch eine Prüfung von Kontodeckung, Kreditrahmen, usw. durchgeführt wird, kannst du dir auch bei diesem System sicher sein, dass dich dein Geld erreicht.

Aus Sicht der Verbraucher gibt es einen großen Kritikpunkt an der Sofortüberweisung. Denn wer damit bezahlen will, muss sensible Daten an den Dienstleister weitergeben. Dies ist jedoch nichts, was dich als Händler kümmern muss. Wenn deine Kunden der Sofort GmbH das Vertrauen schenken (und der Erfolg gibt ihnen wohl Recht), spricht für dich eigentlich nur wenig dagegen, das Bezahlsystem anzubieten.

Fazit

Dein Erfolg als Online-Händler basiert darauf, was du den Menschen anbietest. Das umfasst nicht nur deine Waren oder Dienstleistungen, sondern auch die Möglichkeiten, sie rasch und einfach zu konsumieren. Die Form der Bezahlung ist ein Teil davon.

Kein Online-Shop wird nur ein einzelnes Bezahlsystem anbieten. Ein gesunder Mix aus verschiedenen Varianten trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Woraus dieser Mix besteht, richtet sich letztlich danach, wer deine Kunden sind.

Lerne sie also kennen. Finde heraus, was sie wollen – nicht nur beim Einkauf, sondern auch beim Bezahlen.

Das könnte dich auch interessieren

Günter Gerstbrein

Günter Gerstbrein, Jahrgang 1977, studierte technische Mathematik an der TU Wien und war etwa 13 Jahre in der Software-Entwicklung tätig. Als „Texter, der aus der Technik kam“ ist es sein Ziel, komplizierte Sachverhalte leicht verständlich und ohne viel Techno-Babble zu vermitteln.

Gerstbrein textet