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Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

(Redewendung, Urheber unbekannt)

Was hat ein Elevator Pitch mit der Startseite deiner Web-Präsenz gemeinsam? Mehr als du vielleicht denkst.

Ein Elevator Pitch treibt das Konzept, jemanden möglichst effizient von einer Sache zu überzeugen, auf die Spitze. Dazu wird folgendes Szenario gezeichnet: Stell dir vor, du hast ein innovatives Produkt oder auch nur eine Idee und suchst Partner oder Investoren für Finanzierung, Entwicklung und Vermarktung. Zufällig triffst du in einem Aufzug auf einen wichtigen Menschen, der dir dabei helfen könnte.

Du hast nun genau so lange Zeit, diese Person zu überzeugen, wie die Fahrt dauert. Denn sobald ihr die gewünschte Etage erreicht, wird dein Gegenüber aussteigen – es sei denn, du hast ihn oder sie »am Haken«.

Üblicherweise werden, je nach Literatur, zwischen 30 und 90 Sekunden veranschlagt, in die du die Quintessenz deiner Idee pressen musst. 

Du magst einwenden, dass diese kurze Zeit nicht reicht, um alle Facetten einer Idee zu präsentieren, und du hast damit recht. Aber das ist auch nicht der Zweck der Übung. Denn das Ziel des Elevator Pitches ist es, Interesse zu wecken. Wenn dein Gegenüber dir eine Frage stellt, hast du den sprichwörtlichen Fuß in der Tür. Dann kannst du damit beginnen, in die Tiefe zu gehen.

Was gehört in einen Elevator Pitch?

An verschiedenen Stellen (z. B. auf https://karrierebibel.de/elevator-pitch/) Wird die AIDA-Formel vorgestellt: Attention, Interest, Desire, Action). Damit sind die wichtigsten Punkte des Elevator Pitches abgedeckt.

  • Attention – Aufmerksamkeit erzeugen: Was machst du eigentlich, was ist dein Angebot?
  • Interest – Interesse wecken: Was macht dich und deine Idee so besonders?
  • Desire – Verlangen auslösen: Wie profitieren die Menschen davon?
  • Action – Handlung provozieren (Appell): Greifen Sie zu!

Da dir für all das nur eine sehr kurze Zeitspanne zur Verfügung steht, musst du dich aufs Wesentliche beschränken. Mehr als ein, zwei Sätze pro Punkt werden sich meist nicht ausgehen. Aber mehr braucht es auch nicht, denn wenn du in der heutigen, schnelllebigen Welt jemanden nicht in 60 Sekunden am Haken hast, wirst du es in 60 Minuten auch nicht schaffen.

Und die Startseite?

Deine Startseite erfüllt einen ähnlichen Zweck wie ein Elevator Pitch. Doch die Geduld der User im Internet ist noch geringer als die eines Menschen im Aufzug. Während dir dort ca. 60 Sekunden zur Verfügung stehen, bleibt deiner Startseite nur ein Bruchteil davon. 

Laut der Nielsen Norman Group hast du zehn bis zwanzig Sekunden, um die Besucher deiner Website zu überzeugen, auf ihr zu bleiben. Die gute Nachricht: 99 Prozent aller Websites weisen einen »negativen Alterungseffekt« auf. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für ein vorzeitiges Verlassen einer Seite umso geringer wird, je länger man sich bereits darauf aufhält. Vereinfacht gesagt: Sind die kritischen ersten zehn bis zwanzig Sekunden überstanden, ist dein Besucher meist zu dem Schluss gekommen, dass es sich lohnt, noch ein bisschen länger zu bleiben. (Quelle: https://www.nngroup.com/articles/how-long-do-users-stay-on-web-pages/)

Verzichte auf »Herzlich Willkommen« 

Ein neuer Besucher auf deiner Website hat dich im Normalfall über eine Internet-Suche entdeckt. Das bedeutet, dieser Mensch ist auf etwas fokussiert, das ihn gerade in diesem Moment interessiert. So erstrebenswert Höflichkeit auch im Alltag sein mag, für deinen Besucher ist sie in diesem Moment zweitrangig. Mehr noch, sie lässt nur die 20 Sekunden schrumpfen, die du Zeit hast, ihn zu fesseln. Und nicht zuletzt nimmt so eine Grußformel wertvollen Platz weg, den du mit deinem eigentlichen Angebot füllen könntest.

Fasse dich kurz!

Orientiere dich am Konzept des Elevator Pitches. Das AIDA-Prinzip hilft dir dabei.

  • Attention – Aufmerksamkeit erzeugen: Das Gute ist, die hast du schon – zumindest fast. Dein Besucher ist immerhin aus eigenem Antrieb hier. Du musst ihn nun davon überzeugen, dass der Klick auf den Link, der ihn hierhergeführt hat, keine Zeitverschwendung war. Erkläre kurz und knackig, was dein Angebot ist. 
  • Interest – Interesse wecken: Auch hier gilt: Du hast bereits einen Fuß in der Tür. Aber dir muss klar sein, dass du gegen eine Unzahl anderer Suchergebnisse konkurrierst. Streiche hervor, was dich und dein Angebot besonders macht. Was hebt dich von der Masse ab? Bleib dabei aber positiv und vermeide es, deine Mitbewerber schlecht zu reden, denn das wird letztlich auf dich selbst zurückfallen. 
  • Desire – Verlangen auslösen: Dies geht Hand in Hand mit dem vorhergehenden Punkt: Was bietest du an, das sonst keiner hat? Welchen Nutzen bietest du?
  • Action – Handlung provozieren: Dein Angebot besteht natürlich nicht nur aus den paar kurzen und prägnanten Sätzen. Ein Link »Mehr erfahren« (oder etwas Sinngemäßes) leitet deinen interessierten Besuch zu einer Seite, auf der du nun dein Angebot detaillierter beschreibst. Wird dieser Link angeklickt, hast du bereits einen kleinen Sieg errungen, denn damit hast du dich fürs Erste gegen eine Unzahl anderer Suchergebnisse durchgesetzt.

Usability

So wichtig es ist, dein Angebot kurz und knackig zu präsentieren, das alles nutzt nichts, wenn deine Website vom gestalterischen Standpunkt abschreckend wirkt. Gestalte ein übersichtliches Menü, über das alle Bereiche deiner Webpräsenz leicht erreicht werden können. Versuche nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern halte dich an gängige Standards. Setze dich mit den Prinzipien der Usability auseinander, die bereits in einem anderen Beitrag erläutert wurden, oder informiere dich bei den »Meistern« selbst.

Die Dont’s

Kurz gesagt: Verzichte auf alles, was Zeit frisst und ablenkt.

Graphiken und Bilder können hilfreich sein, denke aber daran, dass sie möglicherweise eine gewisse Zeit zum Laden brauchen. Daher: eher klein halten. Ähnliches gilt, wenn du ein Video einbinden möchtest.

Verzichte auch auf ausgefallene Schriftarten, da diese oft schwierig zu lesen sind. Wenn deine Besucher bloß für die Entzifferung einer kalligraphisch hochwertigen Überschrift zehn Sekunden aufwenden müssen, suchen sie ihr Glück rasch anderswo.

Vertrauen und SEO

Beschäftige dich mit Suchmaschinenoptimierung. Wie erwähnt, werden die meisten Menschen deine Website durch eine Internet-Suche entdecken, und davon wird wiederum Google den Löwenanteil ausmachen. Wenn du also deinen »Startseiten-Pitch« gestaltest, macht dir Gedanken über die Suchbegriffe, über die du gefunden werden willst. Diese Begriffe sollten in deiner Startseite vorkommen.

Gleichzeitig solltest du aber auch überlegen, welche Begriffe für dich irrelevant sind.

Denn wenn deine Seite in Suchergebnissen auftaucht, die eigentlich nichts mit deinem Angebot zu tun haben, wirst du keinen langfristigen Besucherstrom generieren. Mehr noch: Google misst die Absprungrate bei seinen Suchergebnissen. Das bedeutet, die Suchmaschine erkennt es, wenn Seiten rasch wieder verlassen werden. Zwar hält der Konzern unter Verschluss, wie sich verschiedene Faktoren auf die Suchergebnisse auswirken, doch man kann davon ausgehen, dass eine hohe Absprungrate deine Website weiter nach hinten reihen wird.

Erwecke also nicht nur durch die Gestaltung deines Angebots Vertrauen, sondern auch durch die Art, wie du deine Besucher auf deine Webseite lockst. Beides wird sich bezahlt machen.

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Günter Gerstbrein

Günter Gerstbrein, Jahrgang 1977, studierte technische Mathematik an der TU Wien und war etwa 13 Jahre in der Software-Entwicklung tätig. Als „Texter, der aus der Technik kam“ ist es sein Ziel, komplizierte Sachverhalte leicht verständlich und ohne viel Techno-Babble zu vermitteln.

Gerstbrein textet